Geschlecht und Gender

In diesem Text geht es um eine Bestandsaufnahme, Einordnung und Begriffsklärungen. In der Transgender-Debatte werden Begriffe oft falsch verwendet. Wir erklären, was das Geschlecht ausmacht und beschreiben drei Phänomene, die im Genderaktivismus dazu genutzt werden, um zu behaupten, dass es mehr als zwei Geschlechter gebe. Unsere Kernforderung: Eine klare Trennung der Phänomene und Begrifflichkeiten und eine sachliche, an der Wissenschaft orientierte Debatte.

Zweigeschlechtlichkeit? Im Genderaktivismus unsichtbar

Unser Geschlecht binär, also zweigeschlechtlich, und unveränderbar. Das ist seit Beginn der Menschheit so und hat sich auch nicht geändert.

Der Mensch ist ein Säugetier und als solches pflanzt er sich zweigeschlechtlich fort. Bei allen Säugetieren werden die Weibchen – beim Menschen die Frauen – schwanger. Sie sind es, die die Eizellen produzieren – genannt große, unbewegliche Gameten. Die Männer produzieren Spermien – genannt die kleinen, beweglichen Gameten. Soweit, so einfach. Ein Grund für unsere Zweigeschlechtlichkeit ist unter anderem das „Genomic Imprinting“: das sind geprägte Gene, in denen entweder nur die von der Mutter oder die vom Vater stammende Version aktiv sind. Falls diese Prägung durch beide Gameten – männlich und weiblich – gestört wird, kann das zu verheerenden Krankheiten führen (z. B. Prader-Willi-Syndrom).

Hier werden künftig Artikel zu finden sein.

Der Gender-Mythos: „Es gibt mehr als zwei Geschlechter“, oder auch: „Geschlechter sind nicht-binär“.

Oft begegnet uns nun die Behauptung, es gäbe mehr als zwei Geschlechter. Diese Behauptung wird innerhalb der sich als inklusiv verstehenden queerfeministischen Identitätspolitik aufgestellt. Es werden hauptsächlich drei Argumente für die Vielfalt der Geschlechter aufgestellt, über die aufgeklärt werden soll:

1. Das Vorkommen von Intersexualität

2. Untypische Entwicklungen von sekundären Geschlechtsmerkmalen (wie Bartwuchs bei Frauen)

3. Fälle, in denen sich Menschen dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen (Transsexualität, heute: Transgender)

Üblicherweise werden im Zuge dieser Behauptung unterschiedlichste untypische Entwicklungen hinzugezogen. Zum Beispiel anatomische, die Keimdrüsen (Hoden, Eierstöcke) betreffende, hormonelle, chromosomale, genetische, genomische, gehirnstrukturelle oder neuronale Eigenschaften. Diese Eigenschaften betreffen Männer und Frauen auf unterschiedlichsten Gebieten: Krankheitssymptome, kulturelle Einflüsse oder Mutationen können sie beeinflussen.

Aber die Kriterien für unser Geschlecht, wie die Gameten, die wir produzieren (Eizellen und Spermien) und die Reproduktionsvorgänge werden üblicherweise in der Argumentation für „vielfältige Geschlechter“ ignoriert.

Wir möchten aufklären, was es mit den drei hauptsächlichen Schein-Argumenten für die Behauptung, es gäbe mehr als zwei Geschlechter, auf sich hat.

1. Intersexualität ist kein Beweis für eine geschlechtliche Vielfalt

Im Fall von Intersexualität können die primären Geschlechtsorgane bei der Geburt nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zugeordnet werden. Diese Konditionen betreffen zwischen 0,007-0,2% der Neugeborenen und ihre Auswirkungen auf die Geschlechtsorgane sind vielfältig. Das Klinefelter Syndrom (47,XXY) beispielsweise ist eine genetisch bedingte Krankheit, die nur Männer betrifft, die zu viele Geschlechtschromosomen in ihren Zellen tragen. Das Resultat: Hochwuchs und Unfruchtbarkeit. Das Turner-Syndrom (45,X0) ist ebenfalls eine genetisch bedingte Krankheit und hier sind die Patienten weiblich. Das Resultat: Kleinwuchs und oft fehlgebildete Eierstöcke. Obwohl die Auswirkungen auf die Geschlechtsorgane durch intersexuelle Konditionen vielfältig sind, haben sie eine Gemeinsamkeit: sie gehen meistens mit Unfruchtbarkeit einher und haben als Ursprung entweder einzelne Genmutationen oder chromosomale Fehlentwicklungen.

Deswegen ist die Auflistung von Intersexualität als ein Beispiel für eine angebliche „Vielfalt der Geschlechter“ schlicht falsch. Intersexualität ist eine Erscheinung, die deutlich macht, dass fehlentwickelte Gene in Erscheinung treten und aus der Reproduktion ausgeschlossen werden.

2. Untypische Entwicklungen von sekundären Geschlechtsmerkmalen, zum Beispiel Bartwuchs oder ein Faible fürs Fußballspielen bei Frauen, sind auch kein Beweis für eine „geschlechtliche Vielfalt“

Die von Trans Vereinen herausgegebenen Bildinformationen sprechen oft vom weiblichen und männlichen Geschlechtsausdruck – auf einer Skala von 1 bis 10 wäre dann eine Frau mit vermehrtem Bartwuchs und burschikosem Auftreten eher als männlich einzuordnen.

Diese Ansichten blenden die tatsächliche Geschlechtlichkeit komplett aus, die ja wie beschrieben an Kriterien gebunden sind: Es liegen entweder männliche oder weibliche Gameten/Geschlechtszellen vor: Eizelle und Spermien. Es gibt keine Skala von 1 bis 10, was die Eizelle oder das Spermium betrifft. Worauf sich die GenderaktivistInnen beziehen, sind entweder Geschlechterrollen oder Varianzen in der Körperlichkeit. Ein vermehrter Bartwuchs bei Frauen kann zum Beispiel verschiedene Krankheiten als Ursache haben (Polyzystische Ovarialsyndrom, Tumore) – keine davon haben damit zu tun, dass sie männlich sind, genauso wenig wie eine eventuelle Vorliebe fürs Fußballspielen.

Frei übersetzt: Setze einen Punkt da, wo du dich zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit verorten würdest.

  1. Genderindentität: Wie definierst du – in deinem Kopf – dein Geschlecht, darauf basierend, was du als die Optionen der Geschlechter verstehst?
  2. Genderausdruck: Die Arten wie du dein Geschlecht durch dein Verhalten und Kleidung präsentierst und wie diese Präsentation zu Rollenstereotypen passen.
  3. Geschlecht: Die körperlichen Eigenschaften, mit denen du geboren wurdest, wie deine Genitalien, dein Körperbau, deine Stimme, Körperhaare, Hormone, Chromosome, etc.

Gerne wird für diese Spektrum-Idee ein Diagramm verwendet, welches Männlichkeit und Weiblichkeit als eine von A nach B verteilte messbare Masse darstellt:

Diese Vorstellung wird von Gender-basierten Biologen, einer durch Aktivismus beeinflussten Minderheit, vertreten.

So können sich auch sogenannte „nicht-binäre“ Menschen wiederfinden. Das sind Personen, die sich weder eindeutig den Stereotypen für Männer, noch denen für Frauen zuordnen wollen. Das ist wissenschaftlich nicht haltbar, aber eine Möglichkeit von Menschen, sich intuitiv mit ihren jeweils persönlichen – und leider auch oft sexistischen Vorurteilen – zu verorten.

3. Fälle, in denen sich Menschen dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen (früher: Transsexuelle, heute: Transgender)

Menschen, die sich als Transgender bezeichnen und ihre Allys – TransrechtaktivistInnen – setzen sich aus unterschiedlichen Gründen auch für die Idee einer „geschlechtlichen Vielfalt“ ein. (Mehr zu den Begriffen und die Unterscheidung zu dem älteren Begriff der Transsexuellen findet ihr bald in unserem Transgender-Diskussions-Glossar).

Transgender sind Personen, die die biologischen Geschlechter nicht anerkennen und von uns als Gesellschaft verlangen, sie in allen Dingen als das Geschlecht zu behandeln, als das sie sich identifizieren. Dabei ist eine Geschlechtsdysphorie oder Operationen keine Bedingung. Ausreichend ist es, wenn ein Mann für sich selbst entscheidet, eine Frau zu sein. Er kann das durch stereotype Kleidung oder auch Verhaltensweisen zum Ausdruck bringen.

TransrechtsaktivistInnen beziehen sich oft auf die oben genannten Argumente – Intersexualität und untypische sekundäre Geschlechtsmerkmale – um ihre eigene Identität als ein scheinbar biologisches Phänomen zu zementieren. Eine weitere hahnebüchende Argumentation ist es, die Geschlechtsidentität als eine vorgeburtlich im Gehirn entstehend darzustellen. Dabei weisen aber alle wissenschaftlichen Eindrücke darauf hin, dass unser Gehirn mitnichten in männlich und weiblich einteilbar ist. Weiterhin sind diese Art von  Forschung oft von Fehlinterpretation und fehlenden statistischen Angaben geprägt. Vielmehr wurde immer und immer wieder gezeigt: Eine gegenderte (sexistische) Welt ergibt gegenderte (in sexistischen Stereotypen denkende) Gehirne.

Dabei gibt es keine biologische wissenschaftliche Basis, denn wenn Männer sich als Frauen identifizieren, hat das psychologische und soziale Gründe. Leider fallen viele Aktivisten deswegen auf Methoden der Einschüchterung und Manipulation zurück. Männer, die sich als Frau definieren, besitzen eindeutig den Körper eines Mannes – sie haben in der Regel keine intersexuelle Kondition, sondern verstehen sich, ähnlich wie Nicht-binäre Menschen, als von ihrem Geschlecht losgelöst, verorten sich allerdings im gegengeschlechtlichen Part.

Wissenschaftlicher Konsens und Aktivismus

Wissenschaftlicher Konsens basiert auf der übereinstimmenden Einschätzung eines wissenschaftlichen Standes durch Wissenschaftler anhand von objektiven Kriterien (Peer Review). Er kann durch eine jahrelange anhand objektiver Kriterien gemessener Beobachtung und neuen Erkenntnissen weiterentwickelt werden.

Wissenschaften an sich basieren nie auf Aktivismus, Wissenschaftler jedoch sind wie alle Menschen anfällig für äussere Einflüsse und unsere Medienwelt, die Gendertheorien aus verschiedenen Gründen lautstark bewerben. Deswegen argumentieren auch einzelne Wissenschaftler – fälschlicherweise und nicht auf wissenschaftlichem Konsens ruhend – dass das Geschlecht ein Spektrum sei. Diese Pseudowissenschaften haben verheerende Einflüsse auf Kinder, Frauen, Schwule und Lesben. Denn aufgrund der damit einhergehenden Leugnung von Geschlecht reißen sie räumliche und psychologische Grenzen von Frauen ein – in Sportvereinen, in geschützten Frauenräumen wie Umkleiden, öffentlichen Toiletten oder auch lesbischen Vereinen und in gesetzlich verankerten Rechten.

Die Verneinung des wissenschaftlichen Konsenses ist ein Angriff auf biologische Wissenschaften. Einzelne Wissenschaftler mahnen dies öffentlichkeitswirksam an, was allerdings immer massiven Gegenwind durch politische AktivistInnen auslöst.

Literatur:

  • Deborah Cameron: The Myth of Mars and Venus: Do Men and Women Really Speak Different Languages?
  • Caroline Criado-Perez: Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert
  • Jerry A. Coyne: Why Evolution is True (Oxford Landmark Science)
  • Georgi K. Marinov: In Humans, Sex is Binary and Immutable, Springer Science+Business Media, LLC, Springer Nature 2020
  • Debra Soh: The End of Gender: Debunking the Myths about Sex and Identity in Our Society
  • Gina Rippon: The Gendered Brain: The New Neuroscience That Shatters The Myth Of The Female Brain